Studie

Unternehmen umgeben sich gerne mit Kunst. Dabei spielen ästhetische und dekorative Aspekte häufig eine zentrale Rolle. In manchen Fällen dient der Kunsterwerb auch als Investition. Aber kann Kunst dem Arbeitsumfeld vielleicht noch mehr „hinzufügen“? Kann Kunst mehr sein als ein „nice to have“?

Um das herauszufinden, haben Prof. Dr. Ariane Berthoin Antal und Ilana Nussbaum Bitran vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung die Beteiligten an „add art – Hamburgs Wirtschaft öffnet Türen für Kunst“ aus dem Jahr 2015 befragt. Teilgenommen haben 17 Projektverantwortliche, die für das Projekt in ihrer Organisation zuständig waren, 32 MitarbeiterInnen aus sechs Unternehmen und neun NachwuchskünstlerInnen, die in den Unternehmen ausgestellt haben.

Gefragt wurde beispielsweise nach den Einschätzungen vor und den Erfahrungen nach dem Abbau der temporären Ausstellung.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Kunst in Unternehmen wirkt! Es sind ganz überwiegend positive Überraschungen, die die Beschäftigung mit Kunst – sowohl auf Seiten der Unternehmen als auch der KünstlerInnen – mit sich bringt.

Bei der Frage, welche Erfahrungen mit der Ausstellung im Unternehmen gemacht wurden, lassen sich einige Unterschiede zwischen den befragten Gruppen feststellen. Aus den angegebenen Antwort-Optionen nannten MitarbeiterInnen am häufigsten „inspirierend“ (27,8 %), die ProjektleiterInnen betonten den Aspekt „stimulierend“ (32,4 %), während die KünstlerInnen mit gleicher Häufigkeit „überraschend“ und „hilfreich“ (je 33,3 %) wählten.

Die Mehrheit der Befragten (94,1 % der ProjektleiterInnen und 62,5 % der MitarbeiterInnen) äußerten, dass die Kunstwerke den Raum, in dem sie ausgestellt waren, veränderten:

Die überwiegende Mehrheit der Beteiligten (82,3 % der ProjektleiterInnen und 64,5 % der MitarbeiterInnen) betonte, dass die Anwesenheit von Kunstwerken eine Wirkung auf die Kommunikation am Arbeitsplatz gehabt habe:

Die Befragten meinten auch, dass die ausgestellte Kunst Gespräche mit KundInnen beeinflusst habe. Hier war der Anteil der ProjektleiterInnen (87,5 %), die von neuen Impulsen für Gespräche mit KundInnen berichteten, deutlich höher als dies bei MitarbeiterInnen (43,3 %) der Fall war:

Ein weiterer, wenn auch etwas weniger häufig genannte Effekt, bezieht sich auf die Arbeit selbst. Fast die Hälfte der ProjektleiterInnen (43,7 %) und fast ein Viertel der MitarbeiterInnen (22,6 %) gaben an, dass der Kontakt mit den Kunstwerken – und in einigen Fällen auch mit den KünstlerInnen – Auswirkungen auf ihre Arbeit gehabt habe:

Fast 60 % der ProjektleiterInnen und fast 50 % der MitarbeiterInnen hatten das Gefühl, dass die Erfahrung, Kunst am Arbeitsplatz zu haben, einen Einfluss auf ihren Zugang zu Kunst generell hatte:

Die überwältigende Mehrheit der MitarbeiterInnen in Unternehmen ohne eigene Kunstsammlung, die an add art mit einer temporären Ausstellung von NachwuchskünstlerInnen teilgenommen hatten, wünscht sich Kunst permanent oder wenigstens temporär am Arbeitsplatz.

Fazit: Mit der Präsentation von Kunst in den Firmenräumen sind ganz automatisch Auswirkungen verbunden, derer sich viele Firmen im Vorfeld oft nicht bewusst sind. Ein Unternehmen sollte sich diese Wirkungsweisen stärker vergegenwärtigen. Denn Kunst strahlt erheblich aus auf das Beziehungsgeflecht eines Unternehmens, zu dem Mitarbeiter, Kunden und andere Interessengruppen gehören. Der Schritt hin zur Kunst mag für Unternehmen zunächst mit einiger Ungewissheit verbunden sein, doch er erweist sich als im besten Sinne lohnenswert.


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