„Es gibt Gäste, die wegen bestimmter Bilder ganz bestimmte Zimmer bewohnen wollen.“

Jost Deitmar, geschäftsführender Direktor im Hotel Louis C. Jacob, Hamburg

September 2013

Wie entstand die Kunstsammlung, die im Hotel Louis C. Jacob zu sehen ist?
Seit 1993 ist das Hotel Louis C. Jacob im Privatbesitz der Familie Rahe. Die Hoteleigner kommen der Förderung von Kunst und Kultur in vorbildlicher Weise nach. Mit ihrem mäzenatischen Engagement haben sie unserem Haus auch kulturell zu einem weit über Deutschland hinaus reichenden Ruf verholfen. Von namhaften Kunstexperten zusammengestellt, beschäftigt sich die Sammlung mit der thematischen Aufarbeitung norddeutscher Sezessionskunst ab dem Ende des 19. Jahrhunderts bis hin zur Moderne und umfasst dabei zahlreiche Werke der von Alfred Lichtwark und den Gebrüdern Cassirer geförderten Künstler, wie zum Beispiel Max Liebermann, Ernst Eitner, Fritz Flinte und Max Slevogt.

Welche Herangehensweise gab es bei der Hängung der Kunst, kommen neue Werke hinzu?
Von 1993 bis 1996 hat die Familie Rahe das Louis C. Jacob sehr umfangreich renovieren und umgestalten lassen. Nach der Fertigstellung kam die Frage auf, wo und wie die vorhandene Kunstsammlung auf die Räumlichkeiten verteilt werden sollte. Aus diesem Grund wurde in den neunziger Jahren ein Kunstbeirat gegründet, der die Kunstsammlung zusammentrug und festlegte, wo jedes einzelne der über 500 Originale hängen sollte. Diese Festlegung ist auch bis heute mit ganz kleinen Ausnahmen aufrechterhalten worden. Die Sammlung ist komplett und in Ermangelung freier Wände kommen keine neuen Werke hinzu.

Wie reagieren die Mitarbeiter auf die Kunst in Ihrem Hause?
Die Mitarbeiter sehen die Kunst als ein wichtiges Charakteristikum unseres Hauses. Es ist schon etwas Besonderes, dass Max Liebermann 1902 einen Sommer lang im „Jacob“ gewohnt hat und gleich zwei Ansichten von der Lindenterrasse gemalt hat.

Gibt es auch Reaktionen von Gästen auf die Kunst bei Ihnen?
Unsere Kunstsammlung ist nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für unsere Gäste ein interessanter Mehrwert. Auf jedem Zimmer befinden sich in der Gästemappe nähere Informationen zum Kunstkonzept im „Jacob“ und zu den im Zimmer ausgestellten Werken.
Die Gäste reagieren sehr positiv auf die im Haus ausgestellte Kunst. Darüber hinaus sind sie häufig erstaunt, welche Tiefgründigkeit die Sammlung hat, da dies nicht sofort auf den ersten Blick ersichtlich wird. Es gibt Gäste, die wegen bestimmter Bilder ganz bestimmte Zimmer bewohnen wollen. Nach 85 Tagen hat man dann alle gesehen und erlebt…

Was macht den besonderen Reiz aus, Kunst in Ihrem Hotel zu betrachten – anstatt zum Beispiel in einem Museum?
Die Kunst hier im Hotel hat zunächst einen dekorativen Charakter. Anders als im Museum spielt hier natürlich die Hotelumgebung eine wichtige Rolle. Die Kunst geht hier im Hause eine Symbiose mit dem gesamten Ambiente ein – was daraus entsteht, ist mehr als die Summe seiner Teile.

Was können Unternehmen von Künstlern lernen? Und was können Künstler von Unternehmen lernen?
Gute Kunst folgt keinem Zeitgeist, sondern schafft ihn! Mehr Kreativität und Loslösung von den Normen kann mit Sicherheit vielen Unternehmen zu besseren Ergebnissen und interessanteren Ansätzen verhelfen. Umgekehrt könnte Künstlern ein etwas stärker ausgeprägtes kaufmännisches, unternehmerisches Geschick ebenso von Vorteil sein.

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