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Sophie Allerding

„Es ist schön, dass meine Fotografien als Kunst wahrgenommen werden und wirken.“

Juni 2020

Sophie Allerding

Künstlerin, Preisträgerin des add art Award für Nachwuchskunst 2019

Was hat der add art Award für Dich bedeutet?

Dass ich diesen Preis gewonnen habe, war eine große Überraschung. Ich hatte nicht damit gerechnet. Unter anderem, weil Fotografie ein Medium ist, das in der Kunstwelt nicht immer so einfach seinen Platz findet. Dass mir die Ehre dieses Preises zuteilwurde, bedeutete also auch, dass meine Fotografien als Kunst wahrgenommen werden und wirken. Das war wirklich schön für mich.

Wofür hast Du das Förderpreisgeld eingesetzt?

Ich konnte dieses Geld sehr gut für mein nächstes Projekt, meine Bachelorarbeit, verwenden. Dafür bin ich nach Brasilien geflogen. Außerdem habe ich mir einen Laptop zugelegt. Da ich jetzt den Bachelor mache und bald nicht mehr die Arbeitsplätze der Hochschule nutzen kann, ist das eine große Hilfe.

Wie war die Erfahrung, in einem Unternehmen auszustellen?

Es war eine neue und interessante Erfahrung. Natürlich bietet ein Unternehmen nicht die Vorteile einer Galerie, wie zum Beispiel einen etablierten Interessentenkreis. Doch dafür trifft man auf Menschen, die vielleicht sonst nicht zu dieser Ausstellung in die Galerie gegangen wären. Dieser Ausstellungsort ermöglicht neue Begegnungen, was ich sehr wichtig finde. Kunst soll nicht in einer Blase bleiben.

Woher beziehst Du im Allgemeinen Deine Inspiration?

Ich habe keine direkte Quelle, die ich immer wieder anzapfen kann. Es gibt natürlich sehr viele Künstler*innen, die mich inspirieren. Auch andere Dinge wie zum Beispiel Umgebungen und Bücher oder Unterhaltungen spielen eine Rolle. Ich denke, ich umgebe mich wahrscheinlich intuitiv mit den Dingen, die mir guttun. Es ist jedoch kein aktiver Suchprozess. Ich bin sehr begeisterungsfähig und glaube, dass ich mit dieser Einstellung von so ziemlich allem inspiriert werden kann.

Bist Du experimentierfreudig?

Ja! Dies ist einer der Gründe, warum ich überwiegend analog fotografiere. Die Materialität erlaubt mir, zu experimentieren. Oft sind es Zufälle, die die besten Ergebnisse bringen. 

Wie gestaltet sich Dein Weg zum Gelingen einer Arbeit – zielgerichtet, auf Umwegen?

Eigentlich arbeite ich sehr zielgerichtet. Ich versuche, die Dinge, die ich in meinem Kopf habe umzusetzen. Dabei gibt es Umsetzungen, die einem genaueren Plan folgen und andere, bei denen es ums Experimentieren geht. Im Großen und Ganzen ergibt sich eine gesunde Mischung aus Absicht und Versehen.

Welches Verhältnis hast Du zum Scheitern – darf auch mal etwas schiefgehen?

Eigentlich geht immer viel schief. In jeder Arbeit, die ich bisher gemacht habe, gehörte es dazu, Krisen zu haben und auch mal alles über Bord werfen zu wollen. Ich weiß nicht, ob es als Scheitern bezeichnet werden kann, wenn daraus etwas Schöpferisches wird? Häufig passieren Dinge ganz anders als geplant. Kann man das als Scheitern bezeichnen? Vielleicht ist es eine Sichtweise, die ich nicht teile, da ich immer das Gefühl habe, Planänderungen bringen etwas hervor, das sonst nicht entstanden wäre.

Wie geht es Dir, wenn eine Arbeit abgeschlossen ist?

Ich habe nie das Gefühl, dass Arbeiten für immer abgeschlossen sind. Natürlich gibt es den Moment, in dem ich denke, dass diese Arbeit jetzt gezeigt werden kann. Das bedeutet aber nicht, dass sie fertig und endgültig ist. Alle meine Arbeiten sind Verarbeitungsprozesse, die ich durchmache. Da ich mich selbst ständig weiter entwickle und lerne, können dies auch meine Arbeiten.

Wie geht es Dir, wenn eine Arbeit verkauft wird?

Ich freue mich sehr, dass es Menschen gibt, die Geld für Kunst ausgeben. Das ist unglaublich wertvoll. Es freut mich auch, dass ich jemanden mit einer Arbeit berühren konnte. Da ich keine Künstlerin mit einem Sammlerwert oder einem Namen auf dem Kunstmarkt bin, gehe ich davon aus, dass dies der Beweggrund für einen Kauf ist und das finde ich sehr schön.

Woran arbeitest Du zurzeit? Gibt es ein zentrales Thema, das Dich beschäftigt?

Ich arbeite zurzeit an meiner Bachelorarbeit. Durch die Covid-19-Pandemie ist einiges dazwischen gekommen und ich habe sehr viel neu planen müssen. Letztendlich war das sehr gut. Grundsätzlich beschäftige ich mich grade viel mit Magie, ein Thema was auch in meiner Arbeit auftaucht.

Von welchem Vorhaben träumst Du?

Zuerst würde ich das Patriarchat stürzen. Grundsätzlich würde ich gern als freischaffende Künstlerin arbeiten. Vielleicht lässt sich das miteinander verknüpfen. Toll wäre es, selbst Kunst zu schaffen und gleichzeitig andere dabei zu unterstützen. Ich würde gern Workshops oder Gemeinschaftsprojekte anbieten, um die Begeisterung, die ich für mein Tun habe, mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen.

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