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Bastian Ruge & Sascha Fehsenfeld

„Wir sind keine Berater mit Tunnelblick. Kunst und Bücher inspirieren uns – und beruhigen in hektischen Situationen.“

Oktober 2020

Bastian Ruge & Sascha Fehsenfeld

Partner RUGE FEHSENFELD

In Ihrer Kanzlei findet sich eine Vielzahl an Kunstwerken: Welche Rolle spielt Kunst bei Ihnen, wonach haben Sie die bisherigen Positionen ausgewählt?

Sascha Fehsenfeld: Aufgrund der Komplexität ist professionelle Beratung im Erb- und Steuerrecht eine „Kunst“ für sich. Da liegt es nicht ganz fern, sich wie wir bei RUGE FEHSENFELD auch mit bildender Kunst zu befassen. Zudem ist Kunst bekanntlich ein Kreativmotor und kann innovativ und motivierend auf den Betrachter wirken. Kreativität wiederum ist ein elementarer Bestandteil unseres sehr persönlichen Beratungsansatzes. Die Auswahl der Künstler und Werke folgt dabei einem ganz einfachen Prinzip: es muss uns gefallen!

Bastian Ruge: Zumindest einem von uns beiden…

Wie ist es für Ihre Mitarbeiter/-innen, von Kunst umgeben zu sein, gibt es auch Reaktionen von Mandanten?

Bastian Ruge: Wir empfinden die Kunst als echte Bereicherung im Kanzleialltag. Und auch unsere Mitarbeiter/-innen fühlen sich in unseren hellen und modernen Kanzleiräumen sehr wohl – die anspruchsvolle Kunst trägt sicherlich ihren Teil dazu bei. Unsere Mandanten kommentieren ganz regelmäßig unsere Kunstwerke. Spannend ist es gerade dann, wenn es nicht gefällt oder gar aneckt. Meine Lieblingsreaktion war bisher: „Und wer kam auf die Idee, sich so etwas hinzuhängen?“. In jedem Fall kommt man ins Gespräch miteinander und gewinnt einen gesunden Abstand zu den Problemen der Mandanten.

Bei Ihnen gibt es auch eine Bibliothek mit historischen juristischen Abhandlungen und Dokumenten sowie eine kleine Sammlung historischer Schreibmaschinen– was bedeutet Ihnen das? Blicken Sie gerne über den Tellerrand des normalen Kanzleialltags hinaus?

Sascha Fehsenfeld: Im Wesentlichen zeigen uns die alten Bücher täglich unsere eigene Vergänglichkeit. Wenn Sie ein über 500 Jahre altes Buch in den Händen halten, wird Ihnen erst bewusst, was dieses Buch bereits alles „erlebt“ hat. Dies sollte uns vor Augen führen, wie kurz das eigene Leben doch ist und dazu beitragen, aus seinem Leben das Beste zu machen. Und selbstverständlich schauen wir auch über den Tellerrand hinaus. Das erwarten unsere Mandanten schlicht von uns. Und tatsächlich mag die Sammelleidenschaft für antiquarische Bücher und das Interesse an alten Schreibmaschinen zeigen, dass wir keine Berater mit Tunnelblick sind. Vielmehr wirkt das geballte Wissen der historischen juristischen Abhandlungen inspirierend und – in hektischen Situationen – beruhigend. Wir konnten mittlerweile eine ganz beachtliche Bibliothek aufbauen und freuen uns zur Erhaltung dieser Kulturgüter einen kleinen Beitrag leisten zu können.

Gibt es für Sie ein Lieblingsbuch oder Dokument aus Ihrer Bibliothek?

Sascha Fehsenfeld: Inhaltlich ist es nicht ganz einfach, da die meisten Schriften auf Latein sind.

Bastian Ruge: …und unser Latinum auch schon 25 Jahre her ist…

Sascha Fehsenfeld: Trotz der Vielzahl an Büchern fallen mir aber sofort zwei besondere Werke ein. Das eine Werk, welches ich auch im Rahmen einer Steuerrechtsvorlesung gern verwende, stellt im Grunde einen der ersten steuerlichen Kommentare überhaupt dar. Es handelt sich um das „Zehend-Recht dessen gründliche Erklär- und Ausführung“ aus dem Jahr 1679. Es geht hier um die Definition „des Zehnten“ als Ur-Vorgänger unseres heutigen Steuersystems. Und auch damals wurde schon zünftig gestritten, was denn genau der Zehnte sei und was alles darunter falle. Als Argumentationshilfe – neben dem Schwert – wurde hierfür den (Steuer-) Eintreibern ein Kommentar an die Hand gegeben, welcher eine Vielzahl an Fragen versuchte zu beantworten. Die Bemessungsgrundlage war seinerzeit eine andere, aber die Probleme sind im Grunde auch heute noch genauso aktuell.

Bastian Ruge: Wenn man bedenkt, dass wir mittlerweile eine Abgabenlast in der Spitze von fast 50 Prozent haben, waren das – steuerlich betrachtet – paradiesische Zustände.

Sascha Fehsenfeld: Das stimmt natürlich. Bei einem weiteren beachtlichen Werk handelt es sich um die Schriften des Friedrich Carl von Savigny, einem der bedeutendsten deutschsprachlichen Rechtsgelehrten. Sowohl das Werk als Erstausgabe als auch die Provenienz ist sehr interessant. Gedruckt als Erstausgabe in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts gelangten die Werke zunächst in die juristische Bibliothek der k. und k. Verwaltung nach Pécs (Ungarn), um von dort – mit mehreren anderen juristischen Büchern – an die Landesregierung für das besetzte Bosnien und die Hercegovina im Jahre 1941 verschickt zu werden. Dort kamen sie dann am 01.01.1942 in der Bibliothek der Landesregierung – Justizabteilung – in Sarajevo an. Nach einem fast 80 Jahre währenden Dornröschenschlaf, mehreren Kriegen und sonstigen Unwägbarkeiten, fanden die Bücher schlussendlich über einen bosnischen Antiquar den Weg zu uns.

Gibt es in Ihrem beruflichen Alltag auch Momente, in denen eine andere Perspektive gefragt ist, um Lösungen zu finden? Wovon lassen Sie sich dabei leiten?

Bastian Ruge: Wir haben nahezu jeden Tag mit sehr komplexen Problemen unserer Mandanten zu tun, die in ganz vielfältige Bereiche hineinstrahlen. Da geht es um steuerliche, rechtliche und finanzielle Implikationen, aber auch um ganz praktische Verfahrensfragen oder zwischenmenschliche Auswirkungen – zum Beispiel innerhalb einer Familie. Wir müssen alle diese Aspekte unter einen Hut bringen, aber eben auch aus jeder der genannten Perspektiven eine optimale Lösung finden. Das geht nicht ohne den fachlichen Austausch innerhalb unseres Expertenteams und dem ständigen Streben, für den Mandanten immer das absolut beste Ergebnis zu finden.

Sie bieten im Rahmen von add art zwei jungen künstlerischen Positionen eine Plattform. Gibt es bestimmte Erwartungen, die Sie damit verknüpfen?

Sascha Fehsenfeld: Wir freuen uns wirklich sehr auf die beiden. Die Vorgespräche waren schon außerordentlich vielversprechend. Wir sind auf die Ausstellung gespannt, aber tatsächlich auch auf die Reaktionen der Kollegen, Mandanten und Gäste. Unsere Arbeit bei RUGE FEHSENFELD lebt von der Kommunikation – intern im Team von immerhin über 30 Kolleginnen und Kollegen, aber auch mit den Mandanten. Wenn wir Kommunikation anregen können und bestenfalls auch den Besuchern eine Freude mit der Ausstellung machen, dann haben wir viel erreicht.

Bastian Ruge: Den Künstlern wollen wir natürlich auch eine Plattform bieten. Jede Ausstellung bringt die Künstler wieder ein Stück weiter. Kunst braucht zudem auch immer eine Bühne. Das kann dann auch eine Steuerkanzlei im Hamburger Norden sein.

Sie selbst haben offensichtlich keine Berührungsängste mit Kunst – häufig gibt es diese aber noch zwischen den beiden Bereichen Wirtschaft und Kunst. Können und sollten sich beide Seiten annähern?

Bastian Ruge: Ängste sind oft hinderlich – bei Kunst allemal. Wir können jedem Unternehmen nur empfehlen, sich offen für Kunst zu zeigen. Es macht schlicht viel Freude, schöne und anregende Kunst um sich zu haben. Warum soll man Kunst nur im Museum oder in den eigenen vier Wänden genießen? Das Wirtschaftsleben spielt sich regelmäßig im öffentlichen Raum ab – und da sollte auch Kunst ihren präsenten Platz haben.

Was können Unternehmen von Künstlern lernen? Und was können Künstler von Unternehmen lernen?

Sascha Fehsenfeld: Kreativität, Ideenreichtum, der Blick über den Tellerrand und eine gewisse Experimentierfreudigkeit sind wohl einige künstlerische Attribute, die sicherlich auch im Unternehmen von großem Vorteil sein können. Künstler dürfen andersherum von Unternehmern lernen, dass Freude am Schaffen auch mit wirtschaftlichem Erfolg einhergehen darf. Da könnten manche Künstler vermutlich noch selbstbewusster sein und auch kaufmännische Aspekte im Blick behalten.

Inwieweit nehmen Sie sich persönlich hin und wieder Zeit für Kunst und Kultur?

Bastian Ruge: Eindeutig viel zu wenig. Da lassen Familie und Beruf leider kaum Freiräume. Das ist sicherlich aber auch ein Grund, weshalb wir uns gemeinsam als Partner der Kanzlei entschlossen haben, uns vielfältige Kunst ins Haus zu holen, wenn man schon nicht die Zeit findet zu ihr zu gehen.

Welcher Künstler oder welches Kunstwerk inspiriert Sie – auch ganz unabhängig von der Kunst in Ihren Räumen – persönlich ganz besonders, und warum?

Sascha Fehsenfeld: Mich beeindrucken unter anderem die Arbeiten von Lucio Orlando. Er hat einen Fokus auf überwiegend großformatigen Werken, von denen wir glücklicherweise einige bei uns in der Kanzlei haben. Interessant ist dabei, dass wir den Künstler schon seit vielen Jahren aufmerksam begleiten dürfen und sich seine Entwicklung gut an den verschiedenen Werken in unserer Sammlung ablesen lässt. Nicht weniger beindruckend sind die Fotografien des Künstlers Oliver Lassen. Ein Hamburger Fotograf, dessen Bilder immer auch eine spannende Geschichte erzählen. Vor allem seine Dokumentationen „Global Stories“ sind eine Kunst für sich und machen eigentlich Lust auf Reisen und Entdeckungen. Gerade in der derzeitigen Corona-Situation kann man sich durch seine Fotografien ein Stück der Ferne nach Hause holen.

Bastian Ruge: Meine Lieblingskünstler sind Alberto Giacometti und Roberto Spadoni. Bei Giacometti gefallen mir die zerfurchten Oberflächen der Skulpturen und deren wahnsinnige Ausdrucksstärke. Völlig verdient ist daher auch die Abbildung auf der Schweizer 100-Franken-Banknote zu seinen Ehren. Eine schöne Anerkennung von Kunst im Wirtschafts- und Alltagsleben. Roberto Spadoni ist ein in Hamburg lebender Künstler, der auch viel mit Skulpturen arbeitet. Aus Schrott und Bauruinen entnommene Gegenstände fügt er neu zusammen und haucht ihnen damit neues Leben ein. Seine Skulpturen sprechen tatsächlich mit dem Betrachter, wenn man sich auf sie einlässt und sich die Zeit nimmt. Sehr faszinierend!

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