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Jonathan Lützen

„Für mich spielen Sylt, die Herkunft meiner Familie sowie die Ambivalenz zwischen Heimatstolz und Fremdheit eine wichtige Rolle.“

Februar 2026

Jonathan Lützen

Künstler, Preisträger des Publikumspreises des add art Award für Nachwuchskunst 2025

Was hat der Preis für Dich bedeutet?

Dass ich den Preis gewonnen habe, bedeutet mir sehr viel, vor allem weil die Auszeichnung von außen kommt. Sie hilft mir zu sehen, dass meine Arbeit Menschen erreicht und berührt. Diese Resonanz von einem teilweise mir unbekannten Publikum ist etwas, das man nicht planen oder erzwingen kann. Sie bestärkt mich darin, meinen Weg weiterzugehen und meiner Arbeit zu vertrauen.

Wofür setzt Du das Förderpreisgeld ein?

Das Fördergeld nutze ich vor allem als finanziellen Puffer für kostspieligere Ausstellungen in der Zukunft. Im April steht zum Beispiel eine Solo-Ausstellung in der Stadtgalerie „Alte Post“ auf Sylt an, bei der meine Präsenz über einen Monat hinweg gefragt ist. Dafür ist es sehr hilfreich, auf ein Preisgeld zurückgreifen zu können, mit dem ich vorher nicht rechnen durfte.

Woher beziehst Du Deine Inspiration? Woher kommen die Ideen?

Mich inspirieren Erinnerungen, Erzählungen und Gedankengänge, die mich in meinem Leben begleiten und prägen. Dabei spielen Sylt, die Herkunft meiner Familie sowie die Ambivalenz zwischen Heimatstolz und Fremdheit eine wichtige Rolle. Insgesamt geht es mir in meinen Werken um die Verarbeitung dessen, was mich als Mensch emotional bewegt und beschäftigt.

Welche Rolle spielt die Farbe in Deinen Werken? Wie verwendest Du sie?

Ich arbeite sehr intuitiv mit Farbe. Ich plane nicht bewusst, bestimmte Farben zu verwenden, sondern es passiert eher automatisch. Häufig breche ich das lokale Farbspektrum, weil ich glaube, dass meine Arbeiten dadurch offener und universeller werden und sich nicht nur auf einen konkreten Ort beziehen. Gleichzeitig verfremdet das die ursprünglich geplanten Motive und gibt mir mehr Freiheit im Ausdruck. Gerade bei Serien wie Sylt, in denen es um eine widersprüchliche Beziehung geht, ist das für mich ein passender Weg.

Wie gestaltet sich Dein Weg zum Gelingen einer Arbeit?

Da ich ohne Vorzeichnung arbeite und direkt beginne, kann ich nur bedingt voraussehen, wie sich eine Arbeit entwickelt. Was mir gefällt, lasse ich stehen, und dort, wo ich das Gefühl habe, dass noch etwas fehlt, arbeite ich weiter, bis sich das Ergebnis stimmig anfühlt. Oft entsteht am Ende ein komplett anderes Werk, als ich es mir zu Beginn vorgestellt habe.

Geht eine Idee auch mal schief?

Es darf auf jeden Fall auch mal etwas schiefgehen. In Arbeiten, mit denen man zunächst unzufrieden ist, findet man oft trotzdem gute Formen oder Farben, die einem im ersten Moment gar nicht auffallen. Es hilft, die Arbeit eine Zeit lang wegzustellen und später mit Abstand weiterzumachen. Bisher ist es nur einmal passiert, dass ich ein Werk komplett übermalt habe.

Wie geht es Dir, wenn eine Arbeit abgeschlossen ist?

Das hängt stark davon ab, wie sich der Arbeitsprozess angefühlt hat. Wenn alles sehr leicht von der Hand ging, mag ich das Werk anfangs oft besonders gern. Mit zeitlichem Abstand können sich die Gefühle aber noch verändern, sowohl ins Positive als auch ins Negative, meistens jedoch ins Positive.

Woran arbeitest Du zurzeit?

Zurzeit arbeite ich weiter an meiner Sylt-Serie. Gleichzeitig entstehen neue Themen, wie Selbstreflexionen durch Selbstporträts sowie abstrakte Arbeiten. Diese beschäftigen sich mit Inhalten, die sich aus meiner Sicht nicht figurativ umsetzen lassen.

Von welchem Vorhaben träumst Du? Was würdest Du verwirklichen, wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würden?

Ich würde gerne reisen und fremde Kulturen so intensiv kennenlernen, dass ich sie realitätsnah und ohne Klischees malerisch dokumentieren kann. Im Moment ist das eher ein Wunsch oder Verlangen, das sich mit der Zeit aber auch wieder verändern könnte

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